Prolog
Was diese Seite ist — und warum
„AKTE FORTUNA" richtet sich an Lover und Hater der Fortuna. Geschichte wird Legende, Legende wird Mythos. Und aus Mythos wird Kult. Oder Grund zum „ewigen" Fremdschämen — je nach Ereignis mal so oder eher so.
Mal Punk, mal tote Hose. Wenn „alte Männer" plötzlich Kult werden. Campino und die Toten Hosen sind Fortuna-Fans, das 7:1 gegen Bayern München 1978 ist Legende, und Friedhelm Funkel hat aus der Fahrstuhlmannschaft einen Kultverein gemacht. Fortuna Düsseldorf — der Verein, bei dem sich Rheinische Frohnatur und sportlicher Wahnsinn die Hand geben.
Aber diese Seite geht über das reine Feiern oder Hassen hinaus. Akte Fortuna ist in drei Teilen aufgebaut: Das Club-Dossier erzählt die Geschichte — Triumphe, Tragödien, Skandale, Helden und Versager in 12 Kapiteln. Die Match Intelligence liefert die laufenden Daten, die ein Profi braucht: Kader, Statistiken, Head-to-Head, Verletzungen, Form. Und die Predictions bringen alles zusammen — mit Prediction Markets.
Prediction Markets sind kein Wetten. Bei klassischen Sportwetten verliert die Masse — das Geld geht an den Buchmacher, der seine Marge eingebaut hat. Bei Wettbörsen ist es ähnlich: Provisionen auf Gewinne, Liquiditätsengpässe und Spread fressen die Rendite. Prediction Markets funktionieren fundamental anders. Es gibt keinen Buchmacher, der das Haus gewinnen lässt. Stattdessen fließt Geld von denen, die nicht wissen, zu denen, die es richtig machen — mit Risiko-Management, Portfolio-Diversifikation und diszipliniertem Kapital-Einsatz. Man kann 24/7 handeln, Positionen aufbauen und abbauen, und wartet auf die binäre Auflösung des Events. Wer es versteht, betreibt keine Spekulation, sondern systematisches Trading.
Akte Fortuna ist Teil von Akte Bundesliga — dem gleichen Konzept für alle 18 Bundesliga-Vereine. Jeder Verein bekommt sein eigenes Dossier, seine eigene Intelligence, seine eigenen Predictions. Das große Ganze findest du unter aktebundesliga.net.
Steckbrief
Daten, Fakten und Ereignisse
Steckbrief – Daten, Fakten und Ereignisse
Fortuna Düsseldorf, vollständiger Name: Düsseldorfer Turn- und Sportverein Fortuna 1895 e. V., ist ein deutscher Sportverein aus der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf. Gängige Kurzbezeichnungen sind ,,Fortuna“ bzw. „Die Fortunen“ oder – in Anspielung auf das Vereinslogo – ,,F95″. Nach der Herkunft aus dem früheren Düsseldorfer Arbeiterviertel Flingern wird gelegentlich die Bezeichnung die ,,Flingeraner“ benutzt.
In den Spielzeiten 2018/19 und 2019/20 gehört die Fortuna – nach zuvor fünf Jahren in der Zweitklassigkeit – wieder der Fußball-Bundesliga an. In der ewigen Tabelle der deutschen Fußball-Eliteliga liegt Fortuna Düsseldorf auf Rang 18 (Stand: Dezember 2019).
Im August 2019 hat der Klub 27.000 Mitglieder und ist damit einer der 20 größten deutschen Sportvereine in Deutschland und der fünftgrößte in Nordrhein-Westfalen.
Das Stadion von Fortuna Düsseldorf ist die 2004 erbaute Multifunktions-Spielstätte Merkur-Spiel-Arena. Sie bietet 54.600 Zuschauern Platz. Der Zuschauerschnitt liegt in der Saison 2018/2019 bei 40.648.

Good to Know
Was wenige wissen
Die Punk-Band “Tote Hosen“ mit Frontmann Campino ist Fan von Fortuna Düsseldorf. Das ist fast schon Allgemeingut. Weniger bekannt ist, dass die Band „Ein Bein für Tony“ finanzieren. Das ist aber deutlich vor der Phase, als Gitarrist „Kuddel“ im Jahr 2011 beginnt, sich strikt vegan zu ernähren.
Ein Bein für Tony: Anthony Baffoes Wechsel von Fortuna Köln zu Fortuna Düsseldorf wird 1989 von der Punkband „Tote Hosen“ mitfinanziert. Die Band steuert einen Teil der zu zahlenden 100.000 Euro bei – und lässt während einer Tournee unter dem Motto ,,Ein Bein für Tony Baffoe“ den Klingelbeutel kreisen. Baffoe, ghanaischer Diplomatensohn aus Bonn, gibt in seiner Zeit bei Fortuna Düsseldorf in der Saison 1989/90 ein Interview, das die verwöhnte Kicker-Welt aufhorchen lässt. ,,Wenn ich richtig darüber nachdenke, habe ich heute keine gute Leistung gebracht“, sagt er und schafft es damit sogar in den ZDF-Bundesliga-Rückblick. ,,Selbstkritik, ebenso selten wie in“, heißt es dort. Cool auch sein Spruch gegenüber einem Schiedsrichter, nachdem der ihn verwarnt hat: „Mann, wir Schwarzen müssen doch zusammenhalten.“
Auch ziemlich unbekannt: Der erste Spiel-Abbruch der Bundesliga aufgrund von Zuschauerausschreitungen betrifft Fortuna Düsseldorf. 1. FC Kaiserslautern, 27. November 1976. Es ist 16.56 Uhr, als ein Ereignis auf dem Betzenberg Fußball-Deutschland aufwühlt. Von der Westkurve, da wo die treuesten FCK-Fans stehen, fliegen während der Partie 1. FC Kaiserslautern gegen Fortuna Düsseldorf kleine Likörflaschen auf den Platz. Schiedsrichter Rudolf Frickel (München) macht Lauterns Kapitän Josef Pirrung auf diese Geschehnisse aufmerksam. Pirrung gibt Zeichen an den Stadionsprecher und an FCK-Coach Erich Ribbeck. Als weitere Flaschen auf den Rasen fliegen, bricht Frickel die Partie kurzerhand ab. Es ist der erste Spielabbruch in der Bundesliga-Geschichte durch Zuschauereinfluss. Fortuna führt zu diesem Zeitpunkt mit 1:0. ,,Wochen später wird der 1. FCK für das verantwortungslose Verhalten einiger Fanatiker zur Rechenschaft 1978 im Buch „Die Fußball-Könige aus der Pfalz“ von Peter Lenk und Gerhard Reuther. Die Folgen: Eine saftige Geldstrafe und Punktabzug. Fortuna gewinnt am grünen Tisch mit 2:0, weshalb es - Stand Dezember 2019 - nur in ihrer und der Statistik von Werder Bremen eigene Tore ohne Schützen gibt.
Erster Hundebiss: Schalkes Friedel Rausch wird in Dortmund vom Schäferhund gebissen, einmalig! Falsch, eine Fußball-Legende, die schlichtweg falsch ist. Denn Fortuna Düsseldorfs Linksaußen Dieter Wöske ist schon zehn Jahre früher, am 6. April 1959, das erste Bissopfer in einem erstklassigen Spiel auf deutschem Boden. Im Heimspiel der Oberliga West gegen den 1. FC Köln flüchtet Wöske vor euphorischen Zuschauern ins Tor und wird durch das Netz von einem Polizeihund namens Ajax gebissen. So kann man auch Spuren hinterlassen…

Für die Hater
Peinliche Katastrophen und große Niederlagen
Fortuna Düsseldorf genießt in Fußball-Deutschland den wenig schmeichelhaften Ruf einer ,,Fahrstuhlmannschaft.“
Oberliga Nordrhein: Die größte fußballerische Peinlichkeit liefert Fortuna Düsseldorf jenseits der 1. und 2. Fußball-Bundesliga ab. Platz 17 in der drittklassigen Regionalliga Nord bedeuten 2001/02 den Abstieg in die Oberliga Nordrhein.
Vier Trainer: Platz 20, nur sechs Siege (Vereins-Negativrekord) und vier verschlissene Trainer (Josef Hickersberger, Rolf Schafstall, Horst Köppel, Jürgen Gede) sind 1991/92 in der Mammut-Saison der Bundesliga mit 20 Teams der absolute Tiefpunkt. Ab 1999 folgt dann ein komplettes Jahrzehnt mit Fortuna im Amateurfußball…
Die höchste Bundesliga-Niederlage: Die höchste Bundesliga-Niederlage von Fortuna Düsseldorf stellt bis heute das 0:7 (0:2) gegen den VfB Stuttgart in der Saison 1985/86 dar. Die Stuttgarter kommen durch Tore von Michael Spies, Karl Allgöwer und fünf Treffer (!) von Jürgen Klinsmann am 15. März 1986 wie ein Tornado über das Düsseldorfer Rheinstadion…
Die höchste Auswärts-Niederlage: Mit 7:0 verliert Fortuna Düsseldorf am 21. Spieltag der Saison 1981/82 beim FC Bayern München.

Die längste Niederlagenserie: 10 Spiele in Folge verliert F95 vom 31. bis zum 34. Spieltag der Saison 1990/91 und bis zum 6. Spieltag der Folgesaison.
Der Tiefpunkt: 0:6 in der Oberliga gegen Wuppertal! Im Duell zweier Ex-Bundesligisten geht Fortuna Düsseldorf am 30. November 2002 in der viertklassigen Oberliga Nordrhein mit 0:6 (0:2) im Stadion am Zoo in Wuppertal unter. Gut, dass das nur 5.000 Zuschauer sehen…
Die peinlichste Wende in einem Bundesligaspiel gegen die Fortuna: 31. Spieltag der Saison 1990/91: Während Fußball-Deutschland vom Meister-Duell Lautern gegen FC Bayern in den Bann gezogen wird, spielt sich auch im Düsseldorfer Rheinstadion eine hochdramatische Partie ab. Eine 3:0-Führung gegen den VfL Bochum durch Tore von Jörn Andersen, Martin Spanring und Thomas Allofs reicht den Düsseldorfern nicht zum Sieg, nicht einmal zu einem Punkt. Michael Rzehaczek, Josef ,,Jupp“ Nehl, Dirk Helmig und Frank ,,Funny“ Heinemann drehen die Partie zwischen der 36. und der 69. Minute zugunsten der Westfalen. Ältere Fans haben ein Déjà-vu, denn Gleiches passiert der Fortuna bereits im Jahr 1980, als die Mannschaft eine 3:0-Führung bei 1860 München verspielt.
Drama gegen den HSV: Düsseldorf, 3. August 2009. Im Erstrunden-Spiel des DFB-Pokals gegen den Hamburger SV kassiert Fortuna eine ihrer bittersten Niederlagen überhaupt. 3:3 steht es nach 120 Minuten. Andreas ,,Lumpi“ Lambertz gleicht die 3:2-Führung für die Hamburger durch zwei Tore von Nationalspieler Piotr Trochowski in der Nachspielzeit der Verlängerung aus – und bringt die Düsseldorfer Arena zum Beben. Im Elfmeterschießen geben sich jedoch die Hamburger hanseatisch-kühl. Sie verwandeln vier Elfer, während auf F95-Seite mit Oliver Caillas und Sebastian Heidinger zwei Spieler an HSV-Torhüterlegende Frank ,,Fäustel“ Rost scheitern.
Für die Lover
Wichtige Triumphe und große Erfolge
Größte Erfolge der Vereinsgeschichte von Fortuna Düsseldorf sind bis heute der Gewinn der deutschen Meisterschaft im Jahr 1933, das Erreichen des Finales des Europapokals der Pokalsieger 1979 und der Doppel-Erfolg im DFB-Pokal 1979 und 1980.
Finale des Europapokals der Pokalsieger: Im Jahr 1979 erreicht die Mannschaft von Trainer Hans-Dieter Tippenhauer, u. a. mit Klaus und Thomas Allofs, Dieter Brei, Rudi Bommer, Egon Köhnen und Gerd Zewe das Finale im europäischen Pokalsieger-Wettbewerb – und zwar als Pokalfinalist. Im DFB-Pokalendspiel 1978 ist man Meister 1. FC Köln unterlegen. In einem dramatischen Finale unterliegt der Klub in Basel dem FC Barcelona mit 4:3 (2:2; 2:2) n.V. Bereits in der fünften Minute trifft Sanchez zum 1:0 für die Spanier. Drei Minuten später erzielen die Gebrüder Allofs den Ausgleich, wer zuletzt am Ball war, ist bis heute ungeklärt – offiziell ist es Thomas. Schlussmann Jörg Daniel hält in der 12. Minute einen Elfmeter der Spanier. Asensi erzielt die erneute Führung für Barca, Wolfgang Seel gleicht noch vor der Pause aus. In der zweiten Hälfte ist Fortuna überlegen, erzielt jedoch keinen Treffer. In der Verlängerung ist es Rexach, der die Katalanen in Führung bringt. Düsseldorf drängt auf den erneuten Ausgleich und kassiert das vorentscheidende 4:2 durch Hans Krankl. Wolfgang Seel bringt die Rheinländer nochmal heran – 3:4. Mehr geht nicht.
Das 7:1 gegen die Bayern: Die Bundesliga-Meisterschale sehen die Düsseldorfer mit ihrer besten Platzierungen 1972/73 und 1973/74 – jeweils Dritter – nur aus der Ferne. Aber am 9. Dezember 1978 erlebt die ,,Schüssel“ Rheinstadion eine eines Meisters würdige Partie. Mit 7:1 fegt Fortuna Düsseldorf den großen FC Bayern München vom Platz, für den es die höchste Auswärtspleite in der Bundesliga ist. Zweimal Klaus Allofs, zweimal Wolfgang Seel, zweimal Emanuel Günther und Gerd Zimmermann sind die Torschützen in einem Spiel, von dem ein Foto der Anzeigetafel bis heute als T-Shirt-Motiv für Fortuna-Fans verwendet wird…
Am Ende doch: Fortuna Düsseldorf düpiert Hertha BSC in der Relegation. Turbulente Relegationsspiele vom Feinsten erlebt die Bundesliga im Mai 2012. Mit 2:1 haben die Düsseldorfer als Tabellendritter das Berliner Olympiastadion gestürmt – und dem (Noch)-Erstligisten Hertha BSC eine empfindliche Niederlage zugefügt. Diese können die Berliner am 15. Mai 2012 im Hexenkessel der Düsseldorfer Arena nicht mehr korrigieren – 2:2. Ein Platzsturm der Fortuna-Fans bringt beinahe alles ins Wanken. Die Berliner legen nach Spielunterbrechung Protest ein und verrennen sich vor Gericht in fragwürdige Aussagen. Der DFB lehnt Herthas Antrag auf ein Wiederholungsspiel ab, Düsseldorf steigt auf – trotz der chaotischen Zustände kurz vor Spielende.
Zweimal in Folge DFB-Pokalsieger: Fortuna Düsseldorf gelingt 1979 und 1980 das, was zuletzt der rheinische Rivale 1. FC Köln 1977 und 1978 vorgemacht hat. Man verteidigt den DFB-Pokal! Dem 1:0 nach Verlängerung in Hannover im Finale 1979 gegen Hertha BSC durch ein Tor von Wolfgang Seel folgt 1980 der vielleicht prestigeträchtigste Erfolg. Im Gelsenkirchener Parkstadion – bis 1985 wird das Finale in jährlich wechselnden Endspiel-Orten ausgetragen – bezwingt F95 den 1. FC Köln mit 2:1. Rüdiger Wenzel (59.) und Thomas Allofs (65.) drehen die 1:0-Pausenführung der Kölner durch Weltmeister Bernd Cullmann (26.) binnen sechs Minuten um und sorgen für unglaubliche Jubelszenen! Fortuna-Trainer Otto Rehhagel spielt zur Feier des Tages Trompete.Erst im Januar 1981 verliert Fortuna wieder ein Pokalspiel, noch immer kann sich der Verein mit der Rekordserie von 18 gewonnenen DFB-Pokalspielen nacheinander schmücken (Stand: Dezember 2019).

Der höchste Sieg in der Bundesliga: Es verwundert kaum, dass der höchste Sieg in der Bundesliga unter der Regie von ,,König“ Aleksandar Ristic zustande kommt. Am 34. Spieltag der Saison 1989/90 schießt Fortuna den FC St. Pauli mit 7:0 aus dem Rheinstadion. Das gleiche Ergebnis hat man zuvor 1983/84 unter Willibert Kremer auch gegen Borussia Dortmund abgeliefert – leider fehlen in diesen Spielen die Zuschauer. 11.000 gegen den BVB und 13.500 gegen St. Pauli bejubeln die, Stand Dezember 2019, höchsten Erfolge der Rheinländer im ,,Oberhaus“.
Höchster Auswärtssieg: Den höchsten Auswärtssieg in der 1. und 2. Bundesliga schafft F95 gleich drei Mal. Am 6. Spieltag der Saison 1978/79 schlägt F95 den SV Darmstadt in Darmstadt mit 6:1. Mit 7:2 gewinnt das Team in der Saison 1988/89 bei Blau Weiss Berlin. Es ist der 38. Spieltag. Mit 5:0 gewinnt man am 24. Spieltag der Saison 2011/12 beim Karlsruher SC.
Die meisten Siege: 20 Siege schafft Fortuna Düsseldorf in der Zweitliga-Saison 1987/88.
Die längste Siegesserie: 6 Spiele hintereinander gewinnt F95 vom 33. bis zum 38. Spieltag in der Zweitligasaison 1988/89.
Most Important Persons
Diese Typen prägen den Verein
die Rekord-Brüder:Sie sind das Brüderpaar mit den meisten Bundesliga-Einsätzen. 802 Spiele absolvieren beide Brüder in der deutschen Fußball-Eliteliga, Europameister und Vize-Weltmeister Klaus Allofs kommt auf 424 Spiele, sein jüngerer Bruder Thomas auf 378. Damit liegen die Düsseldorfer klar vor Di…
Der Rekordspieler:Der gebürtige Saarländer kommt 1972 vom Ex-Bundesligisten Borussia Neunkirchen zu Fortuna Düsseldorf und macht bis zu seinem Abschied (1987) 440 Bundesliga-Spiele, die meisten davon als Libero für die Mannschaft aus der NRW-Metropole. Ein Rekord, der noch sehr lange halten wird.
,,König Aleks“:Kein anderer Trainer genießt in Düsseldorf einen derartigen Kult-Status wie ,,Aleks“ Ristic. Seine Pressekonferenzen und seine Sprüche (,,Ich mechte einen Tee trinken“ / ,,Die kennen sagen, was die wollen“) sind ebenso unvergessen wie die Hustenbonbons, die er Linienrichtern zusteckt …
1984) - ,,Fußballgott“ und Weltmeister:Der Torhüter der deutschen ,,Wunder“-Elf von Bern 1954 hält zwischen 1950 und 1956 in 133 Oberliga-Spielen für die Fortuna. Seine Parade gegen Ungarns Superstar Ferenc Puskas im WM-Finale gegen die Magyaren (3:2) findet in Form der Reportage von Herbert Zimmerm…
1987) - Der ,,große Schweiger“Worte hat der Verteidiger und Meister-Spieler von Fortuna Düsseldorf aus dem Jahr 1933 nie viele gemacht. Gutes Timing beim Kopfballspiel umschreibt er einmal so: ,,Man muss im richtigen Augenblick höher springen als der Gegner.“ Das wäre geklärt. Seine große Spezialitä…

Personae Non Gratae
Diese Typen sind unbeliebt
Torjäger im Shitstorm:Der gebürtige Düsseldorfer, der zwischen 1986 und 1990 20 Tore in 88 Liga-Spielen für die Fortuna erzielt hat, versucht 2012 mit allen juristischen Mitteln den Aufstieg seines Ex-Klubs via Relegation zu verhindern. Obwohl der DFB am 21. Mai 2012 ein Wiederholungsspiel der chaot…
Denn sie zahlen immer noch: Und sie zahlen immer noch…An der finanziellen Misere der 1990-er und frühen 2000-er Jahre leidet Fortuna Düsseldorf bis heute. Selbst nach dem Bundesliga-Aufstieg 2018 muss der Klub weiterhin einen satten Anteil der TV-Gelder an Michael Kölmel (,,Kinowelt“) bezahlen. 15 P…
Der größte Transfer-Flop:Es mutet bizarr an, dass der mazedonische Stürmer Darko Pancev, immerhin Europapokalsieger der Landesmeister und Weltpokal-Sieger von 1991 mit Roter Stern Belgrad, nach einem bereits als erfolglos deklarierten Gastspiel bei Absteiger VfB Leipzig (1993/94) im Jahr 1995/96 bei…

Tragisch
Diese Personen hatten Pech
Toni Turek - „Viel Glück habe ich im Leben nicht gehabt.“:Das sagt Toni Turek irgendwann am Ende seines Lebens. Verständlich, wenn man auf die Zeit nach seiner Karriere blickt. Bis 1973 arbeitet Turek von der Öffentlichkeit weitgehend unbehelligt in der Verwaltung der Düsseldorfer Rheinbahn, da schlägt das Schicksal an einem Sonntagmorgen im September 1973 zu. Toni Turek kann nicht mehr aufstehen: Querschnittlähmung, verursacht wohl durch einen Virus. Geklärt wird es nie. Es folgen Jahre des Leids. Zahllose Operationen, die nichts besser machen. 1977 lässt sich Turek frühverrenten, sitzt im Rollstuhl oder geht an Krücken. Am 11. Mai 1984 verstirbt der Held von Bern an den Folgen eines Schlaganfalls. Er wird auf dem Friedhof Lindenheide in Mettmann beerdigt.
Atli Edvaldsson – Der Isländer:1957 in Reykjavik geboren kommt der 1,95-Meter-Hüne 1980 nach Deutschland, um zunächst bei Borussia Dortmund Tore zu schießen. Er erzielt elf Tore in 30 Spielen. Fortuna holt den Angreifer an den Rhein, wo er in 219 Spielen 112 Tore schießt. Einmal wird „der Wikinger“ Zweiter (21 Tore) der Torschützenliste hinter Rudi Völler (23 Tore). Am 5. Juni 1983 trifft Edvaldsson beim 5:1-Sieg gegen Eintracht Frankfurt fünfmal. Edvaldsson geht noch bis 1994 auf Torejagd. Von 1999 bis 2003 ist er Nationalcoach Islands. Dann zieht er sich aus dem Fußball zurück. Er stirbt im Herbst 2019 nach langer Krankheit im Alter von 62 Jahren.

OMG — Oh My God
Das kann doch nicht wahr sein
Mal Punk, mal tote Hose: Fortuna Düsseldorf zwischen den Gefühlswelten. Die einzige Konstante bei Fortuna Düsseldorf, so meint Edel-Fan Campino, Sänger der Punk-Band Die Toten Hosen, bürgerlich Andreas Frege (wobei sich mit diesem Namen sicher keine Weltkarriere machen lässt…), sei, dass ,,die Würstchen wahrscheinlich auch in der Regionalliga genauso schmecken.“Das lässt sich schwerlich überprüfen. Fakt aber ist, dass „Die Toten Hosen“ dem Verein in seiner schlimmsten Phase finanzielle Hilfe geben. Punx not dead!
Hauptsponsor von 2001 bis 2003: Kaum ein Bandname könnte das finanzielle und sportliche Geschehen rund um Fortuna Düsseldorf besser beschreiben als Die Toten Hosen (,,Hier kommt Alex“ / ,,Bayern“). Denn schon mit dem Bundesliga-Abstieg 1992 kommt die Fortuna finanziell ins Schlingern. 1992/93 steht Platz 21 in der 2. Bundesliga (mit 24 Klubs) und der Sturz in die Oberliga! Es herrscht Totentanz im WM- und EM-Stadion von 1974 und 1988. In der Saison 1992/93 verlieren sich in der 2. Liga im Schnitt nur noch 5.726 Fans im Rheinstadion. 2000/01 scheinen die Flingeraner in der Regionalliga Nord vor dem endgültigen finanziellen ,,Aus“ zu stehen. Die Edelfans von den Toten Hosen greifen ein. Nachdem sie 1988 schon den Wechsel von Publikumsliebling Anthony Baffoe mitfinanziert haben, helfen sie ihrer Fortuna nun als Hauptsponsor von 2001 bis 2003 aus dem Gröbsten heraus.
Fortuna Düsseldorf und das Rheinstadion: Alles aus Liebe? Als die Bundesliga-Heimstatt der Düsseldorfer im November 2002 in zwei Wellen gesprengt wird, kommt im letzten Moment doch noch leise Wehmut auf. Der frühere Stadionsprecher Dieter Bierbaum verfolgt mit einem Schutzhelm mit Fortuna-Logo aus sicherer Entfernung, wie die die WM-Arena von 1974 in Sekunden in Schutt und Asche gelegt wird. ,,Es ist ein wahnsinniges Gefühl, das zu sehen“, sagt Bierbaum damals mit zitternder Stimme, ,,dieses Stadion hat Sportgeschichte geschrieben, 22 Jahre Bundesliga mit Fortuna Düsseldorf, alles weg, mit einem Mal.“ Nur die Nordkurve, unter der Wasserleitungen verlaufen, die auch für die neue Düsseldorfer Arena unverzichtbar sind, bleibt vorerst noch stehen. Letztmalig rollt der Ball im Rheinstadion am 3. März 2002. Beim 1:1 gegen den Erzrivalen Rot-Weiß Essen erzielt der Nigerianer Ganiyu Shittu von Fortuna Düsseldorf das letzte Tor in der Geschichte des Stadions. Bemerkenswert: Zwei Europapokal-Finals finden 1979 und 1981 im Düsseldorfer Rheinstadion statt. Borussia Mönchengladbach gewinnt hier den UEFA-Cup, Dynamo Tiflis gegen den FC Carl Zeiss Jena und Kult-Trainer Hans Meyer (,,Gehen Sie mal davon aus…“) 1981 den Pokalsieger-Wettbewerb.4.750 Zuschauer in der riesigen Betonschüssel beim Jena-Spiel sind bis heute ein Negativrekord in einem europäischen Finale.
Toni Turek Fußballgott? Nicht wenn es nach Sepp Herberger geht. „Verdient Tonis Spiel auf der Torlinie höchstes Lob und Anerkennung, so kann dies für seine Zusammenarbeit für seine Vorderleute nicht gesagt werden. Toni hatte seine Vorderleute nie so im Griff, wie man es von ihm erwarten musste.“ Sepp Herberger findet nicht nur lobende Worte über Toni Turek. Nicht nur das Phlegma von Turek regt Herberger auf, auch seine gelegentlichen Eskapaden, etwa wenn er Bälle mit einer Hand fängt. „Die Lust zur Schau lag ihm im Blut. Die mahnende Kritik der Männer seiner Umgebung nahm er kaum zur Kenntnis oder schlug sie in den Wind.“
Eklat vor der Haupttribüne: „Sag zum Abschied leise „Servus", heißt es im Klassiker von Erwin Bolt und seiner Tanzkapelle. Doch das ist Wolfgang Kleff zu wenig. Am Ende seiner Gladbacher Zeit und nach einem kurzen Gastspiel bei Hertha BSC schließt sich „Otto“ Kleff im Jahr 1982 Fortuna Düsseldorf an. Der damals 35-Jährige Torwart-Oldie ist schnell Publikumsliebling. Trotz guter Leistungen wird sein Vertrag im Mai 1984 nicht verlängert. Am 33. Spieltag darf Kleff im letzten Heimspiel von F95 in der Saison nochmal von Beginn an spielen. In der 73. Minute reicht es ihm. Er täuscht eine Verletzung vor und lässt sich auswechseln. Kleff bricht fit und fröhlich zu seiner Ehrenrunde auf. Die Zuschauer huldigen „Otto" und erhalten zurück: „Ich habe den Fans halt gegeben, was sie haben wollten: Handschuhe, Trikot, Schuhe und und und“, erzählt er später. Dann kommt es zum Eklat vor der der Haupttribüne. Kleff dreht sich um, streckt sich nach vorn und zieht blank. Der Haupttribüne, vor allem aber Fortuna-Präsident Bruno Recht, der den Vertrag von Kleff nicht verlängern will, scheint Kleffs Hintern entgegen.„Für die Fans gebe ich mein letztes Hemd, für manch andere nur meinen Arsch", klärt Kleff nach dem Spiel auf.

Fun Facts
Wissen für Blowhards, Braggadocios und Connaisseurs
Dass Fortuna Düsseldorf noch nie Meister in der Bundesliga geworden ist, wissen in Köln, Mönchengladbach und Leverkusen alle.Doch hier kommen Fun Facts rund um ,,Tuna“, die nicht jeder kennt…
Der Kaiser vom Rhein: Leichtfüßig und mit großer Übersicht sowie mit hohem Spielverständnis, also so wie Franz (Franz) Beckenbauer, spielt Gerd Zewe im Dress von Fortuna Düsseldorf. Der Rekord-Spieler der Rheinländer kommt aber am Münchner Original nie wirklich vorbei und macht nur vier Länderspiele. Er darf nach Beckenbauers Abschied aus der Nationalelf zwar mit zur WM 1978 nach Argentinien, bekommt aber nur einen kostenlosen Zuschauerplatz auf der Bank oder der Tribüne, wenn der amtierende Weltmeister spielt. Bundestrainer Schön setzt auf Berti Vogts, Manfred Kaltz, Rolf Rüssmann und Bernhard Dietz in der Abwehr – auch im entscheidenden Spiel gegen Österreich, das in der „Schmach von Cordoba“ endet.
Die Karlo-Partei: Ein Spieler von Fortuna Düsseldorf genießt absoluten Kult-Status. Es ist Karl ,,Karlo“ Werner, der 145-mal in der Bundesliga für die Düsseldorfer aufläuft. An der Uni wird eine Partei nach Werner benannt: Die DKP – Düsseldorfer Karlo-Partei. Ob sie jemals die F95-Hürde genommen hat, ist nicht bekannt…, was die nicht gerade zu Humor neigenden Kommunisten und DDR-Freunde der DKP (Deutschen Kommunistischen Partei) in der alten BRD zur Carlo-Partei denken, ist auch nicht überliefert.
Nie länger als Drei: Seit dem zweiten Abstieg von 1987 hat sich die Fortuna nie länger als drei Spielzeiten in Folge in der -Bundesliga halten können. Von 2002 bis 2004 muss sie gar in der damals viertklassigen Oberliga spielen. 2008 schafft der Verein zunächst die Qualifikation für die neu gegründete 3. Liga. 2009 gelingt die Rückkehr in die 2. Bundesliga. 2012 schafft das Team über die Relegationsspiele den Sprung in die Bundesliga. In der Folgesaison steigt man unter dramatischen Umständen jedoch direkt wieder ab.
Platz 10 und der „alte Mann“: Platz 10 bedeutet 2018/19 für die vom Rheinländer Friedhelm Funkel trainierte Mannschaft einen Achtungserfolg. „Die Fortuna war eine der größten Überraschungen“, sagt F95 Ex-Profi Mike Rietpietsch, ,,das war nur möglich, weil endlich Ruhe in den Verein eingekehrt ist.“ So ruhig ist es allerdings auch wieder nicht, in der Winterpause gibt Geschäftsführer Robert Schäfer die Trennung von Funkel zum Saisonende bekannt, weil man sich nicht über die Vertragsdauer einigen kann. Der Aufsichtsrat pfeift Schäfer nach massiven Fan-Protesten zurück und am Saisonende muss er gehen, während Funkel es bis zur Rückrunde 2019/20 schafft, bevor er durch Uwe Rösler ersetzt wird.

Friedhelm, der Rekord-Aufsteiger: Trainerlegende Friedhelm Funkel kommt erst 2016 zu Fortuna Düsseldorf. Dem gebürtigen Neusser gelingt 2018 in Diensten der Fortuna ein neuer Rekord. Der Bundesliga-Aufstieg (als Meister der 2. Liga) ist der sechste seiner Karriere – und damit eine absolute Bestmarke. Zuvor hat Funkel Bayer Uerdingen (zweimal), den MSV Duisburg, den 1. FC Köln und Eintracht Frankfurt in die Bundesliga geführt. Am 5. Oktober 2019 leitet Funkel in Diensten von Fortuna Düsseldorf bei der 1:3-Niederlage bei Hertha BSC sein 500. Spiel als Bundesliga-Trainer. Am 29. Januar 2020 gibt F95 die Trennung von Funkel bekannt. Funkel erklärte daraufhin, dass seine Karriere als Trainer nun beendet sei.
„Lumpi“ Lambertz: Alles mitgemacht. Der ehemalige Fortuna-Jugendspieler Andreas ,,Lumpi“ Lambertz ist 2012 am Ziel seiner Träume und stellt einen einmaligen Rekord im deutschen Profifußball auf. Mit den Düsseldorfern steigt er in die Bundesliga auf, nachdem er zuvor mit den Flingeranern von der vierthöchsten Spielklasse bis ganz nach oben durchmarschiert ist.
Der Weltmeistersturm: Im ersten Spiel nach der gewonnen WM 1974 tritt Deutschland am 4. September in Basel an. Bundestrainer Helmut Schön experimentiert und gibt neben dem schon bei der WM eingesetzten Linksaußen Dieter Herzog auch Reiner Geye auf rechts eine Chance. Zur Pause wechselt er noch Mittelstürmer Wolfgang Seel ein, wodurch Fortuna Düsseldorf 45 Minuten lang den Sturm des amtierenden Weltmeisters bilden darf.Ein ebenso stolzer wie einmaliger Tag in der Klubgeschichte, der durch Geyes Siegtreffer zum 2:1 gekrönt wird.
Rotes Tuch für das öffentlich-rechtliche TV: Fortuna ist 1974 einer der ersten Bundesligisten, der sich einen Brustsponsor zulegt. Eintracht Braunschweig hat 1973 mit „Jägermeister“ den Bann gebrochen, der DFB genehmigt Zähne knirschend den Tabubruch. Nicht so die öffentlich-rechtlichen TV-Sender. Fortuna wirbt auf ihren knallroten Trikots für die Supermarktkette „allkauf“ (Honorar: 50.000 DM pro Jahr) und wird somit zum roten Tuch für ARD und ZDF, die androhen keine Spiele von gesponsorten Klubs zu übertragen – wegen Schleichwerbung. Allkauf will daran nicht schuld sein und kündigt den Vertrag kurzfristig, so dass Fortuna 1975/76 wieder eine blanke Brust hat. Aber nicht für lange, mit den Zeiten ändern sich auch die Ansichten über die Kommerzialisierung im Profisport und schon ab 1976 wirbt Fortuna für den Versicherer Arag. Das Trikot mit dem gelben Kreis auf der Brust wird Kult unter den Fans.
Special Moments
„Ich stand eben zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle…“.
„Ich stand eben zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle…“. Im Grunde genommen hätte das Tor auch jemand anders machen können!“, Jürgen Schult lacht und zuckt mit den Schultern. Die Erinnerungen an den wichtigsten Treffer seines Lebens scheinen den 80-Jährigen schon lange nicht mehr zu beeindrucken.
Damals, im August '66, ist er es, der gegen den amtierenden Europapokalsieger Borussia Dortmund trifft. Als ob das nicht schon besonders genug wäre, ist es gleichzeitig auch das erste Bundesligator überhaupt für Düsseldorf. „Es war mein Geburtstag. Es war unser erstes Bundesligaspiel als Aufsteiger. Es war einfach mein Tag!“ Halbstürmer Schult, der in seiner Jugend für den DSC 99 kickt, kommt nach zwei gescheiterten Aufstiegsversuchen mit Viktoria Köln 1964 zurück nach Düsseldorf.
„Ich studierte an der Deutschen Sporthochschule und trainierte unter Hennes Weisweiler. Ich verwandelte mich immer mehr in einen Kölner und war erleichtert über die Anfrage aus meiner Geburtsstadt“, erinnert sich Schult mit einem Zwinkern. Köln macht Schult groß, Düsseldorf macht ihn unsterblich.
Dabei war der Weg in die Bundesliga für die Rot-Weißen mehr als steinig. Fortuna, seit den 1920ern regelmäßig in der höchsten Klasse des Westdeutschen Spiel-Verbandes zu Hause, zieht 1927 erstmals in die langersehnte Endrunde der deutschen Meisterschaft ein. Eine Niederlage gegen den Hamburger SV verhindert damals aber in letzter Sekunde den Titel.
„Ich war noch nicht geboren, als Düsseldorf seinen ersten großen Erfolg feierte“, erinnert sich Schult und spricht vom 11. Juni 1933. Düsseldorf zwingt Schalke mit 3:0 in die Knie und holt den Deutschen Meistertitel an den Niederrhein. Historisch und bis heute einmalig. Nach der Einführung der Bundesliga im Jahr 1963 bleibt den Düsseldorfern der Aufstieg zunächst verwehrt. Trotz guter Leistungen reichen zwei dritte Plätze in den ersten beiden Spielzeiten am Ende noch nicht für das Oberhaus. Die Niederrheiner gehören aber schon früh zur Spitzengruppe der Regionalliga West, was auch Jürgen Schult, 50 Kilometer weiter südlich, nicht verborgen bleibt:
„Obwohl ich zu der Zeit in Köln unter Vertrag war, habe ich die Geschehnisse in Düsseldorf nie aus den Augen verloren“, erzählt der Senior. Die Füße in Köln, das Herz in Düsseldorf, beobachtet Schult die Erfolge seiner Heimatstadt sehnsüchtig aus der Ferne. „Düsseldorf war mein Traumverein“, wird er in den kommenden Jahren noch viele Male sagen. Er ahnt nicht, dass auch Fortuna ein Auge auf ihn geworfen hat
Als Schult sich im Sommer 1965 das F95-Trikot zum ersten Mal überstreift, fühlt es sich sofort nach Heimat an. „In Düsseldorf fand ich alles, wonach ich gesucht hatte“ und noch mehr. Da aller guten Dinge bekanntlich drei sind, erreichen die Fortunen im Dezember 1965, in der dritten Spielzeit nach Bundesliga-Gründung, die Herbstmeisterschaft und läuten mit ihrem neuen Stürmer eine der erfolgreichsten Saisons ihrer Geschichte ein.
Mit nur zwei Saison-Niederlagen souverän an der Spitze, trifft Düsseldorf in der Aufstiegsrunden-Gruppe 1 auf Hertha BSC, den FK Pirmasens und Kickers Offenbach. „Ich erinnere mich noch gut an den 2:0-Heimsieg gegen Pirmasens, der uns am vorletzten Spieltag mit ihnen punktemäßig gleichziehen ließ“, sagt Schult und grinst. Noch heute bereiten ihm die Erinnerungen an den 26. Juni 1966 Freude. „Es waren 15.000 Fortuna-Fans am Bieberer Berg als wir am letzten Spieltag in Offenbach eingelaufen sind. In das Stadion passten nur 20.000 Zuschauer.“ Lachen und Kopfschütteln über die Dominanz der Düsseldorfer an diesem historischen Tag.

„Wir konnten quasi nicht verlieren“, fasst Schult amüsiert zusammen. Obwohl die Pirmasenser an diesem letzten Spieltag 2:1 gegen Hertha gewinnen, schafft Düsseldorf in Hessen die Sensation. Den gefürchteten Bieberer Berg fest in Fortuna-Hand führen die Rot-Weißen bereits zur Pause 3:0. „Peter Meyer und Waldi Gerhardt haben uns direkt zu Beginn deutlich in Führung gebracht, bevor ich dann in der 2. Halbzeit auch ran durfte.“ Jürgen Schult und Werner Biskup erhöhen mit Gänsehaut unter dröhnenden Fangesängen zum 5:0. Es folgt ein Ehrentor für Offenbach und mit dem Abpfiff explodiert der Kessel.
„15.000 Fortunen stürmten den Platz. Ich konnte nicht fassen, was da passierte.“ Schult schaut zu Boden und die Emotionen scheinen ihn kurz zu übermannen. „Leider rief unser klarer Sieg auch Kritiker auf den Plan.“ Stimmen werden laut, dass der Sieg in Offenbach mit 35.000 Mark erkauft worden sei. Beweise? Fehlanzeige. Gerüchte? Umso mehr. „Der Verein erstickte die Vorwürfe mit einer Einstweiligen Verfügung, doch so wirklich verschwunden ist der Vorwurf nie.“ Schult weiß nichts von Bestechung. Er spielt an diesem Tag schlichtweg guten Fußball.
Der Fanliebling ist für Düsseldorf längst unverzichtbar, doch es ist der 20. August 1966, der aus dem Geburtstagkind eine Legende macht. „Wir spielten in einem ausverkauften Rote Erde-Stadion in Dortmund“, beginnt Jürgen Schult seine Lieblingsgeschichte und blickt verträumt in die Ferne. Es scheint, als würde er den Moment noch einmal durchleben. „Dass unser erstes Bundesligaspiel auf meinen 27. Geburtstag fiel, war das schönste Geschenk, das ich mir vorstellen konnte“.
An diesem Samstag im August trifft Aufsteiger Düsseldorf im ersten Bundesligaspiel auswärts auf Europapokalsieger Borussia Dortmund. Nach einer torlosen ersten Hälfte landet der Ball in der 65. Minute bei Stürmer Jürgen Schult. „Ich habe nicht nachgedacht und einfach meinen Job gemacht“, und den macht er gut. „Der gegnerische Torhüter Bernhard Wessel hatte an diesem Tag auch Geburtstag, aber keinen so glücklichen wie ich.“ Das verschmitzte Grinsen kann den Stolz in Schults Stimme nicht verbergen.
Weise Worte
Zitate für die Ewigkeit
,,Man muss im Leben immer etwas haben, woran man glauben kann - und wenn es nur Fortuna Düsseldorf ist." (Campino, F95 Fan und Sänger der Senioren-Band „Die Toten Hosen“)
„Tünn, wir haben hier einen ganz vornehmen Pinkel unter uns, der sagt immer Herr Janes".
Paul Janes zu Trainer Toni Rudolph 1933 über Matthes Mauritz, der ihn nur mit "Sie" angesprochen hatte„Du kannst auf meiner Plantage arbeiten.“
Anthony Baffoe zu einem pöbelnden Gegenspieler„Gestern gab es schon einmal ein Unentschieden, ein 67:67 im Pils trinken gegen Reiner Calmund".
Werner Fassbender - Ex-Manager von F95 – nach dem 3:3 in Leverkusen im Jahr 1989„Holt die Antidepressiva raus, Fortuna Düsseldorf spielt.“
WDR-Reporter Manni Breuckmann